Steuerglossar

Einzelunternehmen einfach erklärt!

Einzelunternehmen (Steuern) – Definition, Besteuerung und Rechtsformwahl

Einzelunternehmen sind neben Personengesellschaften eine der am häufigsten gewählten Unternehmensformen in Deutschland und werden in der steuerlichen Diskussion regelmäßig den sogenannten Personenunternehmen gegenüber Kapitalgesellschaften gegenübergestellt.(1)(2)(3) Einzelunternehmen unterliegen wie andere Personenunternehmen dem deutschen Ertragsteuerrecht, das ausdrücklich nicht rechtsformneutral ausgestaltet ist.(3)(4)

Steuerliche Einordnung des Einzelunternehmens

Einzelunternehmer werden ertragsteuerlich nicht wie Kapitalgesellschaften, sondern wie Personenunternehmen behandelt, deren Gewinne im Rahmen der Einkommensteuer beim Unternehmer persönlich erfasst werden.(1)(3)(5) Beiträge zur laufenden Besteuerung befassen sich insoweit insbesondere mit der Einkommensteuer, der Gewerbesteuer und den Annexsteuern, die den Einzelunternehmer im Vergleich zu Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften treffen können.(3)(5) Für Personenunternehmen einschließlich Einzelunternehmern wurde die Gewerbesteuer durch die Möglichkeit der Anrechnung nach § 35 EStG und durch weitere Reformmaßnahmen stärker in Richtung einer Angleichung der Gesamtbelastung gegenüber Kapitalgesellschaften ausgestaltet.(2)(6)

Gewinnermittlung und E-Bilanz

Für Einzelunternehmer gelten die allgemeinen Grundsätze der steuerlichen Gewinnermittlung, als deren Grundlage die Systematik der Besteuerung von Einzelunternehmen in der Literatur gesondert dargestellt wird.(3)(7) Im Rahmen der elektronischen Übermittlung nach § 5b EStG sieht die Finanzverwaltung neben Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung eigene Berichtsbestandteile zur steuerlichen Gewinnermittlung für Einzelunternehmen vor, auch wenn umstritten ist, ob hierfür eine ausdrückliche Übermittlungspflicht besteht.(8)

Steuerliche Vor- und Nachteile im Vergleich zu anderen Rechtsformen

In Rechtsformvergleichen werden die Belastungsunterschiede zwischen Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften regelmäßig herausgearbeitet.(1)(5) Einzelunternehmen profitieren – wie andere Personenunternehmen – von spezifischen Entlastungen, etwa der Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer und einer im Grundsatz günstigeren Belastungssituation im Vergleich zu Kapitalgesellschaften vor der Unternehmensteuerreform 2008.(2)(6)(9) Zugleich wird betont, dass das deutsche Ertragsteuerrecht zahlreiche differenzierende Einzelregelungen kennt, die eine vollständig rechtsformneutrale Besteuerung bislang verhindern.(3)(4)(7)

Einzelunternehmen bei Existenzgründung

In der Gründungsberatung wird das Einzelunternehmen regelmäßig als eine zentrale Option neben Personengesellschaft und GmbH behandelt, wobei auf die konkrete Steuerbelastung in der Startphase, die Systematik der Unternehmensbesteuerung und die Gestaltungsspielräume hingewiesen wird.(3)(10) Autoren stellen heraus, dass die Steuerbelastung in Deutschland kein grundsätzliches Existenzgründungshindernis darstellt, wenn die Wahl der Rechtsform – insbesondere zwischen Einzelunternehmen und GmbH – und die laufende steuerliche Organisation (Umsatzsteuer, Lohnsteuer, Buchführung) sorgfältig geplant werden.(3)(10)

Unternehmensnachfolge und Umwandlung eines Einzelunternehmens

Bei der Unternehmensnachfolge wird häufig diskutiert, ob ein vorhandenes Einzelunternehmen zunächst auf den Nachfolger übertragen und erst danach in eine Kapitalgesellschaft (etwa eine GmbH) umgewandelt werden soll oder ob die Umwandlung in die GmbH der Übertragung vorgelagert werden sollte.(11) Untersuchungen hierzu kommen zu dem Ergebnis, dass bei ertragsstarken Betrieben tendenziell die Variante vorteilhaft sein kann, das Einzelunternehmen zunächst unentgeltlich im Wege vorweggenommener Erbfolge zu übertragen und der Nachfolger den Betrieb anschließend in eine GmbH überführt.(11) Steuerlich werden dabei insbesondere die einkommensteuerliche Behandlung der unentgeltlichen Übertragung, die Versteuerung etwaiger Versorgungsrenten und die erbschaftsteuerliche Bewertung des Einzelunternehmens einschließlich Betriebsgrundstück und Betriebsschulden betrachtet.(11)

Einbringung und Ausgliederung in andere Rechtsformen

Die Einbringung eines Einzelunternehmens in eine Personengesellschaft wird in der Literatur eigenständig behandelt, wobei zivilrechtliche und steuerrechtliche Voraussetzungen – insbesondere nach § 24 UmwStG – sowie die Rechtsfolgen einer solchen Einbringung im Mittelpunkt stehen.(12) Ebenso wird die Ausgliederung eines Einzelunternehmens zur Aufnahme durch eine bestehende GmbH als attraktive Umwandlungsvariante beschrieben, bei der zivilrechtliche Schritte (Ausgliederungs- und Übernahmevertrag, Handelsregistereintragung) und steuerliche Themen wie Einbringungsgewinn, Bewertung des übertragenen Betriebsvermögens und Anschaffungskosten der GmbH-Anteile zu beachten sind.(13)

Rechtsformneutrale Unternehmensbesteuerung als Reformziel

Mehrere Reformkonzepte zur Unternehmensbesteuerung zielen auf eine weitgehende Rechtsformneutralität, bei der Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften einheitlichen Unternehmensteuern unterliegen würden.(4)(14)(15) Entwürfe sehen hierfür teilweise eine einheitliche Unternehmensteuer vor, die alle Unternehmensformen einschließlich der Einzelunternehmer erfasst und Unterschiede in der Belastung nur noch über die Ebene der Entnahmen bzw. Ausschüttungen und deren einkommensteuerliche Nachbelastung entstehen lässt.(14)(15)

Bedeutung in der Unternehmenslandschaft

Politische und rechtswissenschaftliche Beiträge heben hervor, dass der Großteil der deutschen Unternehmen als Einzelunternehmen oder Personengesellschaften firmiert und die steuerliche Behandlung dieser Personenunternehmen daher große praktische Bedeutung besitzt.(2)(16) In erbschaftsteuerlichen und ertragsteuerlichen Gesamtbetrachtungen werden Einzelunternehmen häufig gemeinsam mit Personengesellschaften analysiert, wobei sich in der Summe rechtsformbedingte Vorteile im Detail, aber kein vollständiger Gleichlauf der Belastungen mit Kapitalgesellschaften ergeben.(4)(9)

 

Quellen:

(1) 2007 | Otto Heidemann | Festschriftenbeitrag, Aufsatz | Steuerliche Aspekte zur Rechtsformwahl mittelständischer Unternehmen | Rechnungslegung, Eigenkapital und Besteuerung 2007, 3-26

(2) 2007 | Barbara Hendricks | Kongressvortrag, Aufsatz | Unternehmensteuerreform 2008 | StJB 2006/2007, 7-31

(3) 2004 | Dietmar Wellisch, Lutz Neidhardt, Matthias Zeitz | Aufsatz | Praxisorientierte Informationen zur Unternehmensgründung | BuW 2004, 7-13

(4) 2000 | Monika Jachmann | Kongressvortrag, Aufsatz | Besteuerung von Unternehmen als Gleichheitsproblem | Europa- und verfassungsrechtliche Grenzen der Unternehmensbesteuerung 2000, 9-65

(5) 2005 | B Dörner | Aufsatz | Rechtsformwahl aus steuerlicher Sicht | LSW Gruppe 5, 279-294 (10/2005)

(6) 01.07.2018 | § 3 Nr. 40 | Kommentierung | § 3 Nr. 40; A. Inhalt und Bedeutung; VI. Steuerliche Aspekte für die Wahl der Unternehmensform und Gestaltungserwägungen | Tormöhlen/Korn | Korn/​Carlé/​Stahl/​Strahl, Einkommensteuergesetz | 165. Ergänzungslieferung, Dezember 2025

(7) 2010 | Karl-Georg Loritz | Aufsatz | Die Besteuerung des unternehmerischen Einsatzes von Kapital und Arbeit in Deutschland | Kernfragen des Unternehmenssteuerrechts 2010, 31-58

(8) 23.01.2025 | ab VZ 2017 | Kommentierung | § 5b Elektronische Übermittlung von Bilanzen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen – ab VZ 2017; B. Übermittlungspflicht einer E-Bilanz (Abs. 1); I. Grundsätze der Übermittlung (Satz 1); 5. Einzelfragen | Bongaerts/Neubeck | EStG eKommentar | 2026

(9) 2009 | Wolfram Scheffler | Aufsatz | Einfluss der Rechtsform eines Unternehmens auf die Erbschaftsteuerbelastung | BB 2009, 2469-2474

(10) 1999 | Jan Schiffer, Volker Wein | Aufsatz | Steuerbelastung contra Existenzgründung? | StuB 1999, 57-63

(11) 2003 | Marc Tepfer, Carl-Bernhard von Heusinger | Aufsatz | Fortführung des väterlichen Betriebes in der Rechtsform der GmbH | ErbBstg 2003, 304-314

(12) 1999 | Eberhard Schlarb | Aufsatz | Einbringung in eine Personengesellschaft | Steuerberaterkongreß-Report 1999, 146-172

(13) 2003 | Hans Dieter Eich, Thomas Carlé | Aufsatz | Ausgliederung eines Einzelunternehmens zur Aufnahme durch eine bestehende GmbH | FR 2003, 764-770

(14) 2007 | Norbert Herzig | Kongressvortrag, Aufsatz | Reform der Unternehmensbesteuerung – Konzept der Stiftung Marktwirtschaft | Aktuelle Entwicklungen der Unternehmensbesteuerung (Sächsische Steuertagung 2006) 2007, 71-82

(15) 2007 | Müller-Gatermann, Gert | Aufsatz | Unternehmensteuerreform 2008 | Stbg 2007, 145

(16) 2012 | Christina Elschner, Jost H Heckemeyer | Kongressvortrag, Aufsatz | Qual der Wahl: Die Besteuerung von kleinen und mittleren Unternehmen in der Europäischen Union | Besteuerung, Finanzierung und Unternehmensnachfolge in kleinen und mittleren Unternehmen 2012, 3-30