Fachbeitrag

Erhaltungsaufwand bei Gebäuden: Steuerliche Gestaltungschancen für Unternehmen und Immobilieninvestoren

Veröffentlicht: 21.7.2026 Letzte Aktualisierung: 21.7.2026

Erhaltungsaufwand bei Gebäuden ist steuerlich besonders bedeutsam, weil die Abgrenzung zu Herstellungskosten unmittelbare Auswirkungen auf Abzug und Aktivierung hat.

Erhaltungsaufwand bei Gebäuden: Steuerliche Gestaltungschancen für Unternehmen und Immobilieninvestoren

Warum der Erhaltungsaufwand bei Gebäuden so wichtig ist

Aufwendungen an Gebäuden können entweder als Herstellungs-/Anschaffungskosten aktiviert und nur über die AfA verteilt werden oder als Erhaltungsaufwand sofort gewinnmindernd abgezogen werden.

Die Unterscheidung wirkt sich damit direkt auf Liquidität, Kennzahlen und Steuerquote von Unternehmen und Immobilieninvestoren aus.

Was ist Erhaltungsaufwand bei Gebäuden?

Mangels Legaldefinition wird der Erhaltungsaufwand negativ vom Begriff der Anschaffungs- und Herstellungskosten abgegrenzt.

Herstellungs- und Anschaffungskosten sind in § 255 HGB definiert und gelten nach ständiger Rechtsprechung und Verwaltung uneingeschränkt auch im Steuerrecht.

Kernaussage:Liegt weder Anschaffungsaufwand noch Herstellungskosten vor, handelt es sich steuerlich um Erhaltungsaufwand.

Typischerweise zählen dazu Aufwendungen für Instandhaltung und Instandsetzung eines bestehenden Wirtschaftsguts, etwa eines Gebäudes.

Abgrenzung: Erhaltungsaufwand vs. Herstellungskosten

Herstellungskosten nach § 255 Abs. 2 HGB

Herstellungskosten sind Aufwendungen für:

  • die Herstellung eines Vermögensgegenstands,
  • seine Erweiterung, oder
  • eine über den ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung.

Bei Gebäuden liegt eine Erweiterung insbesondere vor, wenn die nutzbare Fläche vergrößert oder Substanz vermehrt wird, etwa durch Anbau oder Dachgeschossausbau.

Eine wesentliche Verbesserung setzt voraus, dass der Gebrauchswert deutlich erhöht und der Standard des Gebäudes (z.B. von einfach auf mittel oder von mittel auf gehoben) angehoben wird.

Der BFH stellt klar, dass weder eine „Generalüberholung“ noch der bloße Umfang der Maßnahmen allein Herstellungskosten begründen.

Begriff des Erhaltungsaufwands

Erhaltungsaufwendung sind Aufwendungen, die der Erhaltung der Substanz und Funktionsfähigkeit eines bestehenden Gebäudes dienen, ohne es herzustellen, zu erweitern oder seinen Standard über den ursprünglichen Zustand hinaus wesentlich zu verbessern.

Die Rechtsprechung betont, dass der Begriff des Erhaltungsaufwands weit zu fassen ist und die Grenzlinie zu den Herstellungskosten eher zugunsten des Erhaltungsbereichs verschoben wurde.

Steuerliche Wirkung von Erhaltungsaufwand

Sofortabzug als Betriebsausgabe oder Werbungskosten in dem Jahr, in dem der Aufwand entsteht.

Demgegenüber sind Herstellungskosten nur über die Nutzungsdauer via AfA steuerlich wirksam.

Damit kann die Qualifikation als Erhaltungsaufwand ein wesentliches Liquiditäts- und Steuerungsinstrument sein.

Anschaffungsnahe Herstellungskosten (§ 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG)

Ein zentraler „Stolperstein“ ist die gesetzliche Fiktion der anschaffungsnahen Herstellungskosten:

  • Aufwendungen für Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen innerhalb von drei Jahren nach Anschaffung eines Gebäudes,
  • die netto mehr als 15 % der Anschaffungskosten des Gebäudes betragen,
  • gelten zwingend als Herstellungskosten.

Ohne diese Spezialnorm wären viele dieser Maßnahmen als sofort abziehbarer Erhaltungsaufwand zu qualifizieren (z.B. Erneuerung von Sanitär-, Elektro-, Heizungsanlagen, Fenstern, Dacheindeckung).

Konsequenz: In den ersten drei Jahren nach Erwerb ist eine strategische Planung der Sanierungen essenziell, um die 15 %-Grenze und damit die Aktivierungspflicht zu steuern.

Typische Beispiele für Erhaltungsaufwand bei Gebäuden

Die Rechtsprechung und Literatur erkennen u.a. folgende Maßnahmen grundsätzlich als Erhaltungsaufwand an, sofern keine Erweiterung oder wesentliche Standardanhebung vorliegt:

  • Erneuerung verschlissener Gebäudeteile (z.B. Dachreparatur, Austausch beschädigter Leitungen) zur Wiederherstellung des ursprünglichen Nutzungszustands.
  • Modernisierung im Rahmen des technischen Fortschritts, etwa Umstellung einer Heizung auf ein zeitgemäßes System, auch wenn die alte Anlage noch funktionsfähig war.
  • Neuerrichtung von Schutzbauwerken, z.B. Böschungsmauer zum Schutz eines Miethauses; diese kann als Erhaltungsaufwand des Gebäudes anerkannt werden.
  • Einbau oder Austausch von Heizkesseln, soweit dadurch nicht das Gebäude erweitert oder der Standard über das ursprüngliche Niveau hinaus wesentlich angehoben wird.

Gleichwohl ist stets im Einzelfall zu prüfen, ob durch die konkrete Maßnahme nicht doch eine Erweiterung oder wesentliche Verbesserung ausgelöst wird.

Zusammentreffen von Erhaltungsaufwand und Herstellungskosten

In der Praxis werden Maßnahmen an Gebäuden oft paketweise durchgeführt (z.B. „Sanierung aus einem Guss“).

Grundsatz: Aufteilung

Treffen in einer umfassenden Baumaßnahme sowohl Erhaltungsarbeiten als auch Maßnahmen zur Herstellung, Erweiterung oder wesentlichen Verbesserung zusammen, sind die Kosten grundsätzlich aufzuteilen – ggf. im Wege der Schätzung – in:

  • aktivierungspflichtige Anschaffungs-/Herstellungskosten und
  • sofort abzugsfähigen Erhaltungsaufwand.

Auch wenn Maßnahmen gleichzeitig mit Herstellungsvorgängen durchgeführt werden, können einzelne Kosten trotzdem Erhaltungsaufwand sein.

Ausnahme: „Infektion“ durch bautechnisches Ineinandergreifen

Die Kosten können ausnahmsweise insgesamt als Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu beurteilen sein, wenn:

  • die Arbeiten in engem räumlichen, zeitlichen und insbesondere bautechnischem Zusammenhang stehen und
  • die Erhaltungsarbeiten bautechnisch in die Herstellungsmaßnahmen „hineingreifen“.

Die ältere Figur der „Generalüberholung“ als eigenständiges Kriterium hat an Bedeutung verloren; entscheidend sind heute die Tatbestände des § 255 Abs. 2 HGB und das bautechnische Ineinandergreifen.

Verteilung von (größerem) Erhaltungsaufwand

Wohngebäude im Privatvermögen (§ 82b EStDV)

Größere Erhaltungsaufwendungen an Wohngebäuden im Privatvermögen können auf zwei bis fünf Jahre gleichmäßig verteilt werden.

Bei Veräußerung oder Entnahme des Gebäudes während des Verteilungszeitraums ist der Restbetrag im Jahr der Veräußerung/Entnahme voll abzugsfähig.

Sanierungsgebiete und Entwicklungsbereiche (§ 11a EStG)

Für Gebäude in förmlich festgelegten Sanierungsgebieten bzw. städtebaulichen Entwicklungsbereichen kann der nicht durch Zuschüsse gedeckte Erhaltungsaufwand auf zwei bis fünf Jahre verteilt werden.

Auch hier ist bei Veräußerung, Einlage, Entnahme oder Nutzungsaufgabe der Restbetrag sofort abzusetzen.

Baudenkmäler (§ 11b EStG)

Bei Baudenkmalen kann Erhaltungsaufwand, der zur Erhaltung oder sinnvollen Nutzung erforderlich ist und mit der Denkmalbehörde abgestimmt wurde, ebenfalls auf bis zu fünf Jahre verteilt werden.

Die Denkmalbehörde bescheinigt die denkmalschutzrechtliche Erforderlichkeit; die Finanzverwaltung prüft u.a., ob es sich steuerlich um Erhaltungsaufwand oder Herstellungskosten handelt.

Umsatzsteuerliche Aspekte: Erhaltungsaufwand vs. nachträgliche HK

Für die Umsatzsteuer ist relevant, ob Aufwendungen als nachträgliche Anschaffungs-/Herstellungskosten oder als Erhaltungsaufwand qualifizieren:

  • Nachträgliche Anschaffungs-/Herstellungskosten gelten umsatzsteuerlich als eigenständiges Berichtigungsobjekt (§ 15a Abs. 6 UStG). Die Abgrenzung folgt den ertragsteuerlichen Grundsätzen.
  • Auf Erhaltungsaufwand entfallende Vorsteuerbeträge unterliegen dagegen der allgemeinen Vorsteuerberichtigung nach § 15a Abs. 3 UStG.

Bei gemischt genutzten Gebäuden ist vorgreiflich zu entscheiden, ob Umbaumaßnahmen Erhaltungsaufwand, anschaffungsnahen Aufwand oder die Herstellung eines neuen Gebäudes darstellen.

Praxistipps für Unternehmen und Immobilieninvestoren

Projektplanung vor Baubeginn

  • Frühzeitige Analyse, welche Maßnahmen voraussichtlich Erhaltungsaufwand und welche Herstellungskosten auslösen.
  • Besondere Aufmerksamkeit in den ersten drei Jahren nach Anschaffung wegen § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG.

Dokumentation des Anfangszustands und des Standards

Zur Abgrenzung „bloße Instandsetzung“ vs. „wesentliche Verbesserung/Standardsprung“ ist eine saubere Dokumentation des Gebäudezustands vor und nach der Maßnahme hilfreich.

Aufteilung von Sammelrechnungen sicherstellen

Angebote, Bauverträge und Rechnungen möglichst so gestalten, dass Erhaltungsmaßnahmen und Erweiterungen/Verbesserungen getrennt ausgewiesen werden.

Nutzung von Verteilungswahlrechten

Größere Erhaltungsaufwendungen gezielt über § 82b EStDV, § 11a oder § 11b EStG verteilen, um die Progressionswirkung zu steuern.

Denkmalschutz und Sanierungsgebiete aktiv nutzen

Bei denkmalgeschützten Objekten und Gebäuden in Sanierungsgebieten frühzeitig Bescheinigungsverfahren und steuerliche Begünstigungen (erhöhte AfA für HK, Verteilung von Erhaltungsaufwand) einplanen.

Fazit

Der Erhaltungsaufwand bei Gebäuden ist ein zentrales Instrument der steuerlichen Gestaltung im Unternehmens- und Immobilienbereich.

Wer die Schnittstellen zu Herstellungskosten, anschaffungsnahen Aufwendungen und den speziellen Verteilungsregelungen beherrscht, kann Investitionen planerisch so strukturieren, dass Steuerbelastung und Liquiditätswirkung optimal auf die Unternehmensstrategie abgestimmt werden.

Quellen

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  35. 01.03.2009 | 2007 | Kommentierung | 2007; Umsatzsteuer aktuell 4/2007; Teil IV – Verwaltungsanweisungen | Reiß/​Kraeusel/​Langer, Umsatzsteuergesetz | 209. Ergänzungslieferung, April 2026
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  37. 2006 | Korn, Klaus | Aufsatz | Themen - Steuerpraktische Aspekte des BMF-Schreibens vom 6.12.2005 zur Berichtigung des Vorsteuerabzugs | KÖSDI 2006, 14968
  38. 11.11.2025 | ab 01.01.2028 | Kommentierung | § 15 Vorsteuerabzug – ab 01.01.2028; L. Aufteilung der Vorsteuerbeträge (Abs. 4); II. Ermittlung der Vorsteuerbeträge nach § 15 Abs. 4 UStG; 5. Aufteilung der Vorsteuerbeträge bei Gebäuden | Kies | UStG eKommentar | 2026
  39. 2014 | Jan Chr Schumann | Aufsatz | Erhaltungsaufwand und Herstellungskosten bei Gebäuden in Handels- und Steuerbilanz | EStB 2014, 172-178
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